Samstag, 10. Oktober 2009: Halb Deutschland sitzt vor dem Fernseher und verfolgt das Länderspiel Deutschland gegen Russland. Grob 200 Leute sitzen stattdessen in einem Vorlesungssaal und lauschen gebannt dem Vortrag eines aus Indien stammenden Amerikaners. Die Rede ist von Ram Srinivasan und von den Zuhöreren hat wohl kein einziger diese Entscheidung bereut. Jeder von ihnen verließ den Raum motiviert und fasziniert von einem Redner, der seine Botschaft wirklich verkörperte. Der Gründergeist im Raum war förmlich greifbar und machte Srinivasans Rede so zu einem Highlight und mehr als würdigen Abschluss eines Kongresses,der sich der Aufgabe verschrieben hat, genau diesen heraufzubeschwören.
Ram Srinivasan kann nun bereits auf 30 Jahre im Silicon Valley zurückblicken. Lange Zeit war er dabei selbst Unternehmer und Gründer, heute ist er Venture Partner bei Wellington Partners und kennt somit beide Seiten. Von diesem reichhaltigen Erfahrungsschatz ließ er seine Zuhörer profitieren und gab viele, auch durchaus handfeste, Tipps und Empfehlungen. So sprach er von den möglichen Vorteilen interkulturell zusammengestzter Teams und kritischer Mitarbeiter, den im Internetgeschäft entscheidenden Dimensionen Traffic und Transaction, dem Wert statistischer Auswertungen im Unternehmen und vielem mehr. Er ermöglichte seinem Publikum zudem einen interessanten Einblick in die Arbeits- und Denkweise von VC’s und zeichnete so insgesamt eine treffende und umfassende Analyse des derzeitigen Umfelds im Silicon Valley.
Doch weder das vermittelte Wissen noch die logisch-analytische Leistung waren Srinivasans eigentlicher Verdienst an diesem Abend. Dieser lag darin, an einem nasskalten Samstagabend in einer beschaulichen mitteldeutschen Kleinstadt einen Funken echten amerikanischen Gründer-Spirit zu entzünden.
Dazu setzte er sehr früh an, nämlich zu der Zeit, als er selbst neu nach Amerika kam. Dort verwunderte ihn nämlich die Korrektur seiner ersten Klausur. Nein, nicht da er schlecht gewesen wäre, sondern allein aufgrund der ungewohnten Systematik. Aus Indien kommend, war er es gewohnt, - wie in Deutschland auch - von 0 ausgehend Punkte für richtige Antworten zu bekommen. Nun bekam er aber von der Maximalpunktzahl aus gerechnet Abzüge für Fehler und Fehlendes. Mögen beide Verfahren nüchtern und sachlich betrachtet rechnerisch auf das gleiche Ergebnis hinauslaufen, so sieht Ram Srinivasan hier weit mehr als einen kleinen formalen Unterschied. Im Gegenteil, für ihn ist dieser kleine, scheinbar lapidare Fakt Ausdruck einer völlig anderen Art zu Denken und zu Leben, die stets mutig das Positive und Mögliche ins Auge fasst.
Aus diesem „American Way of Thinking“ erwachse eine völlige andere Einstellung gegenüber Scheitern und Fehlern, die für ihn eine grundlegende Voraussetzung für die große Zahl erfolgreicher (!) Gründungen im Silicon Valley sei. Stelle in Deutschland oder Indien eine gescheiterte Gründung eine Art „Schmach auf Lebenszeit“ dar, so sähen Amerikaner in ihr eher die Chance aus Fehlern zu lernen , so an diesen zu wachsen und es schließlich beim nächsten Mal besser zu machen. So ist Scheitern für ihn nicht das Gegenteil von, sondern viel eher die Voraussetzug für Erfolg.
Für Erfolg brauche es aber auch gute Ideen und den Mut diese umzusetzen.
Für gute Ideen müsse man es wagen zu denken - kühn und abseits von Konventionen und Paradigmen. Um Ideen umzusetzen, braucht es schließlich Willenskraft.
Srinivasans Rede kann als ein lediglich lehrreicher und unterhaltsamer Vortrag verstanden werden. Für die meisten Zuhörer war sie aber wohl weit mehr als das, nämlich ein mitreißender Appell, der Gründungsinteressierte zu Gründungswilligen und Gründungswillige zu zukünftigen Gründern gemacht hat. Sollte Srinivasan dies tatsächlich geschafft haben, so können er und das IdeaLab! stolz auf diese Leistung sein.
Zusammenfassung von David Appold