Julian Riedlbauer über das Timing von Exits

Julian Riedlbauer, selbst Gründer und einer der erfahrensten Redner beim IdeaLab!2008 hatte am 10.10.2008 eine Message: Das Timing ist für einen Exit wichtig! Er zeigte an vielen Beispielen wie sich das Timing eines Exits auf den Profit und auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken kann.

„Die operative Performance ist das A und O!“, sagte Julian zu Anfang seiner Rede. Am Beispiel Xing zeigte er, wie positiv sich exzellente operative Performance auswirken kann. Xing wurde nicht früh verkauft, sondern es wurde an die Börse gebracht. Wenig später wurde der Umsatz verdoppelt und der Gewinn vervierfacht. Trotz dieser herausregenden Leistung war der Unternehmenswert allerdings nicht ebenso stark gestiegen, sondern war unverhältnismäßig niedrig geblieben. Auf diesen Fakt stützte Julian seinen ersten Tipp: „Eher zu früh verkaufen als zu spät!“ Xing ist ohne Frage eine Erfolgsstory, aber es gibt zu viele Unternehmer, die sagen, es sei zu früh für einen Verkauf und sie wollen erst ihren Umsatz steigern, um dann profitabler zu verkaufen. Julian setzte dem entgegen, dass der Markt sich schnell verändert und man als Unternehmer aus einer Situation mit vielen Nachfragern schnell aufgrund eines Trends in eine Situation mit Angebotsüberhang gerät. Fälle wie StudiVZ, in denen ein Angebot (Facebook) abgelehnt wurde und später zu einem wesentlich höheren Preis verkauft wurde, seien eher eine Seltenheit, so Julian.

Beispiele für besonders gutes Timing sind Jamba, Zanox.de und netskape. Netskape wurde für $ 10 Milliarden verkauft und wird, wie Julian mit einer Frage an das Publikum deutlich machte, kaum noch genutzt (ein einziger Nutzer im Saal).

Was ist gefährlich daran, sich Zeit zu lassen? Zum Ersten bringt Zeit Kopien des Geschäftsmodells mit sich. Zum anderen ist ein oft ein Börsengang geplant, der jedoch viel Hürden, wie z.B. langfristige Bindung des Managements oder die Offenlegung der Quartalszahlen mit sich bringt. Wenn ein CEO Aktien verkauft, wird das an der Börse als schlechtes Signal gedeutet, andere Anleger verkaufen möglicherweise auch und das Ergebnis ist schlechte Presse und ein fallender Kurs. Die Quartalszahlen stimmen nicht immer mit den Zielen eines langfristig wachsenden Unternehmens überein, deswegen war Julians zweiter Tipp: Verkauft an einen Strategen!

Zur aktuellen Situation sagte Julian, dass noch in Start-Ups investiert wird, die Investoren allerdings „sehr selektiv“ geworden seien und das Geld, das vorhanden ist nur noch in die „Filetstücke“ gesteckt wird. Allgemein ist ein schneller Exit sehr viel schwieriger geworden, allerdings gibt es immer wieder ermutigende Beispiele wie ein Internet-Sportportal, das gerade von Springer übernommen wurde. Die Maxime sind heute: „Quality, Quality, Quality und „Profit, Profit, Profit!“, so Julian.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob es noch das traditionelle Lebenswerk geben könne, sagte Julian, dass der Markt zu schnell geworden sei und dass der Verkauf an einen Strategen ein Muss ist, um das langfristige Überleben eines Unternehmens heute zu sichern.

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